Raw Food: Neuer Gourmet-Trend oder Ernährung als Medizin?

Raw Food klingt nicht nur besser als der deutsche Begriff Rohkost, sondern schmeckt auch deutlich besser. Wer bei Rohkost-Ernährung in erster Linie an den typischen „altdeutschen“ Rohkostsalat denkt, wird angenehm überrascht sein. Es muss nicht stundenlang an Selleriestangen und Möhren herumgekaut werden. Denn der Trend hat seinen Ursprung in kalifornischen Gourmet-Restaurants. Raw Food ist zunächst eine vegane Ernährungsform, bei der das Garen durch andere Verfahren ersetzt wird, um die Speisen bekömmlicher zu machen. Durch Marinieren, Trocknen, Beizen oder Einweichen können viele Produkte wie Hülsenfrüchte, Getreidesorten und Nüsse eine ebenso angenehme Konsistenz und den gleichen Grad an Bekömmlichkeit wie gekochte Zutaten erreichen. Ganz ohne Wärme wird auch in der Raw Food Küche nicht gearbeitet, nur liegt sie nie über 42°C, um sämtliche Nährstoffe und Geschmacksstoffe der Nahrungsmittel zu erhalten. So lassen sich zum Beispiel schmackhafte Fladen aus Getreide im „Niedrigtemperaturverfahren“ über mehrere Stunden hinweg trocknen statt bei hoher Hitze backen. Damit entsteht die erste Grundzutat für einen Wrap, in dem Gemüsestreifen, Nüsse, frische oder getrocknete Beeren und Kräuter und Dressing den Ton angeben.

Raw Food – gesunde Alternative für Menschen mit Allergie-Problemen

Wie bei vielen Spezialdiäten gilt auch für die Ernährung mit Rohkost: Geduld, Zeit und Konsequenz ist notwendig, will man tatsächlich von der Gesundheitswirkung profitieren. Anhänger von Raw Food sind begeistert über die Verbesserung ihres Hautbilds und das glänzende Haar, berichten über gesteigerte Vitalität, Leistungsfähigkeit und deutlich besseres Wohlbefinden. Für Allergiker kann die Ernährungsumstellung auf Raw Food eine gute Lösung sein, wenn ausschließlich auf Bio-Produkte zurückgegriffen wird. Denn Raw Food ist vor allem eines: nicht durch industrielle Zusatzstoffe belastet. Dem gesundheitlichen Aspekt stehen aber auch einige Gegenargumente gegenüber: Mangelerscheinungen können auftreten, wenn zum Beispiel nicht auf ausreichende Proteinzufuhr geachtet wird. Und das ist durch den Verzicht auf das Garen von Zutaten bei Raw Food noch etwas schwieriger, zumindest zeitaufwändiger. Veganer sind mit gegarten Hülsenfrüchten wie Bohnen und Linsen, oder mit Fleischersatzprodukten wie Tofu und Tempeh durchaus ausreichend versorgt. Der Verzicht auf das Garen, Braten oder Grillen führt bei Raw Food zu einer weiteren Einschränkung typischer Proteinquellen. Dauerhaft wird sich wohl kein Feinschmecker mit Quinoa, Nüssen und Pürees aus eingeweichten Hülsenfrüchten zufriedengeben. Zudem ist das wichtige Vitamin B12 in allen Fleisch- und Milchprodukte, aber in so gut wie keiner Gemüsesorte enthalten. Das grundsätzliche Fazit für Raw Food-Interessierte lautet: Schwangere sollten davon Abstand nehmen, für Kinder sind Ernährungsformen, die mit einem restriktiven „Verbot“ bestimmter Lebensmittelgruppen einhergehen, grundsätzlich nicht empfehlenswert.

An Raw Food am besten undogmatisch herangehen

Grundsätzlich ist die Idee, Nahrungsmittel so einzunehmen, wie die Natur sie zur Verfügung stellt, begrüßenswert. Allerdings bergen zu streng reglementierte Ernährungsformen immer auch die Gefahr des schlechten Gewissens, wenn eine Regel mal verletzt wurde. Die 42°C-Grenze für das Garen von Getreideprodukten kann im Alltag eine Hürde darstellen, die man schon aus Zeitgründen nicht immer nehmen kann. Wichtig ist, dass der Verzicht auf bestimmte Lebensmittelgruppen trotzdem mit Genuss und einer vollwertigen Ernährung einhergeht. Nur dann ist auch die nachhaltige Verbesserung der gesundheitlichen Situation möglich.

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